Technik in Bewegung - Shifting Technology

Gesellschaft für Technikgeschichte: Jahrestagung 12.-14. Mai 2023

Die Gesellschaft für Technikgeschichte (GTG) richtet in Kooperation mit dem Interdisziplinären Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung (IZWT) und dem Zentrum für Stadtgeschichte und Industriekultur Wuppertal ihre Jahrestagung 2023 in Wuppertal aus. Tagungstitel ist "Technik in Bewegung - Shifting Technology". Die Veranstaltung im Glanzstoffhochhaus richtet sich an Fachwissenschaftler und Interessierte der Technikgeschichte.


CfP - Call for papers

Technik in Bewegung – Shifting Technology

Wuppertal, 12. bis 14. Mai 2023

Veranstalter: Gesellschaft für Technikgeschichte in Kooperation mit dem Interdsziplinären Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie dem Zentrum für Stadtgeschichte und Industriekultur Wuppertal

Veranstaltungsort: Kasino des Glanzstoffhauses, Kasinostrasse 33, 42103 Wuppertal

Deadline: 8. Jan. 2023

Theorien technologischen Wandels gehen in der Regel davon aus, dass Technik sich im Rahmen bestimmter sozialer Settings und Interessen oder innerhalb eines soziotechnischen Systems oder Netzwerks bewegt. Was passiert aber wenn Technik die Kohärenz von solchen bestehenden Netzwerken, Systemen und sozialen Strukturen verlässt und in andere Kontexte gelangt? Solche Wanderungsprozesse haben vielfältige Auswirkungen sowohl auf das Umfeld der Technik als auch auf die Technik selbst. Unter Umständen wird sie auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt oder verändert ihre Funktion. Gleichzeitig kann auch das alte und neue Umfeld von dieser Technikmigration beeinflusst werden. Der Verlust eines konkreten technischen Artefakts hinterlässt möglicherweise eine Lücke im Herkunftsnetzwerk; die Integration einer Technik in ein anderes Umfeld mag auch dessen Setting oder Dynamik verändern; und was passiert eigentlich mit dem „Dazwischen“ während des Transits? Ein solches Umfeld, Setting oder System kann sowohl ein physischer oder geographischer Raum sein, aber auch ein epistemischer, institutioneller oder diskursiver.

Wie also wandelt sich Technik bei einem solchen Prozess der De- und Rekontextualisierung und wie verändert translozierte Technik wiederum die lokalen, institutionellen, diskursiven, epistemischen sozialen und technischen Umwelten, in die sie integriert wird (oder auch nicht)? Welche neuen Verflechtungen bilden sich, welche Konflikte und Widerstände entstehen dabei? Was passiert zudem mit dem technischen Artefakt, den ihm inhärenten Werten, dem zugehörigen Wissen und den eventuell begleitenden Personen auf diesem Weg? Welche Passagen, Kanäle, Expert*innen und Infrastrukturen bilden sich für solche Übertragungsvorgänge von Technik und deren Adaption in neuen Kontexten aus? Und was geschieht mit der Technik und dem Umfeld, wenn die Adaption oder gar die ganze Translokation ausbleibt?

Die GTG-Jahrestagung 2023 widmet sich solchen historischen Transpositionen von Technik zwischen Orten, Gesellschaften, Institutionen, Disziplinen, Systemen und Netzwerken in einem breiten Sinne. Sie wirft außerdem einen Blick auf das „Dazwischen“ sowie auf die Mittler und Medien (also Objekte, Personen, Wissen) dieser Prozesse. „Technik in Bewegung“ begrenzt sich somit nicht auf eine physische Positionsveränderung, sondern meint vielfältige Transpositionen, die sich analytisch wie folgt unterscheiden lassen.
 

  1. Translokationen:
    Beim physischen Transport eines technischen Objektes muss dieses unter Umständen auseinandergenommen und am neuen Ort wiederaufgebaut werden. Zudem erfordert eine solche Translokation Maßnahmen zur Sicherung der Technik unterwegs, Infrastrukturen und die Expertise für den Umgang und die Anwendung. Die Technik muss vor Ort wieder zusammengesetzt und von Nutzern adaptiert werden. Die Untersuchung von solchen historischen Techniktransferpraktiken des „Dazwischen“ und der Passage bieten für die Technikgeschichte neue Perspektiven.
     
  2. Epistemische Verschiebungen:
    Darüber hinaus kann eine Technik auch den ursprüngliche Wissenskontext verlassen und in andere Bereiche „hineinwandern“. Forschungsinstrumente werden unter Umständen aus Laboratorien mit „ins Feld“ genommen. Forschungstechnik kann aber auch in einer spezifischen wissenschaftlichen Disziplin entwickelt und dann in anderen Forschungsfelder übernommen werden. Solche Wanderungsvorgänge über disziplinäre Grenzen hinweg führen möglicherweise zu neuen Forschungspraktiken, Fragestellungen und Erkenntnissen.
     
  3. Institutionelle Verflechtungen:
    Die De- und Rekontextualisierung technologischer Versetzungen können mit einem Übergang von einem institutionellen Setting zu einem anderen einhergehen. Institutionen wie Unternehmen, staatliche Organisationen, Forschungseinrichtungen usw. passen sich an neue Technologien an oder weisen diese ab. Vice versa werden transferierte Technologien den Institutionen und deren Regeln, Normen und Ordnungen angepasst. Institutionen können bei einer „gewanderten Technik“ allerdings auch mitwandern durch begleitende Experten, Wartung durch die Ursprungsinstitution, Kommunikationsnetzwerke, technische Normung usw.
     
  4. Diskursive Aneignungen:
    Mit der Migration von Technik finden komplexe kulturelle und diskursive Aneignungen statt. Die Rekontextualisierung von Technik benötigt einen entsprechenden diskursiven Vermittlungs- und Übersetzungsaufwand, um diese in einem neuen sozialen Kontext nutzbar zu machen. Solche diskursiven Aneignungen von Technik durch neue kulturelle Umwelten wurden in der Technikgeschichte lange Zeit vernachlässigt. 

 

Die Gesellschaft für Technikgeschichte freut sich auf Vortragsvorschläge, die sich an solchen Themen orientieren. Die genannten analytischen Kategorien können dabei auch übergreifend behandelt oder in Bezug zueinander gesetzt werden. Es sind Fallstudien zu allen Epochen und Regionen ebenso erwünscht wie unterschiedliche methodische Ansätze und disziplinübergreifende Perspektiven. Die GTG begrüßt zudem explizit Beitragsvorschläge, die sich mit dem Thema im Museumskontext auseinandersetzen.

Bitte reichen Sie ein Abstract von max. einer Seite sowie einen kurzen CV ein. Gerne können Sie auch ganze Sessions einreichen. Besonders willkommen sind zudem Vorschläge zu alternativen Präsentations- und Diskussionsformaten. Tagungssprache ist Deutsch, es ist aber auch möglich, Beiträge auf Englisch einzureichen und zu präsentieren.

Vorschläge sind bis zum 8. Januar 2023 erbeten an:
gtg2023@lists.uni-wuppertal.de

Rückfragen zum CfP stellen Sie bitte an:
Dania Achermann (Interdsziplinäres Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung) und
Lars Bluma (Zentrum für Stadtgeschichte und Industriekultur Wuppertal) 

Den Call for Papers können Sie hier als PDF herunterladen. 

Top